Dr. Éva Kahán

Éva Kahán wurde am 1. Januar 1955 in Budapest geboren, als Teil einer jüdischen Familie.

Ihre Schulzeit verbrachte sie in ihrer Heimatstadt Budapest. Nach der Matura an der Sekundarschule für Lebensmittelindustrie studierte sie Rechtswissenschaften an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der ELTE, wo sie 1979 auch promovierte.

Ihre Eltern verlor sie bereits in frühen Jahren, ihr Studium konnte sie mit Unterstützung der Familie sowie mit Hilfe von Nachhilfeunterricht finanzieren.

Während ihres Universitätsstudiums interessierte sie sich besonders für die gesetzliche Normierung der Rechte von Minderheiten und Nationalitäten sowie für Fragen des Arbeitsrechts. Bereits damals war ihre Tätigkeit von diesen Themen stark beeinflusst, die in Folge ihr Handeln während ihres seines ganzen Lebens charakterisierte.

Sie heiratete 1974, in Folge entstammten zwei Söhne aus ihrer Ehe.

Nachdem sie ihr Diplom erworben hatte, arbeitete sie als Rechtsanwaltsanwärterin an zivil- und arbeitsrechtlichen Rechtsstreitigkeiten und erhielt schließlich 1982 die Zulassung als Rechtsanwältin.

Ab 1986 beschäftigte sie sich mit Immobilienrecht und arbeitsrechtlichen Fragen am Csemege Kereskedelmi Vállalat.

1988 übersiedelte sie gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Wien, wo sie ihren Mann durch ihr juristisches Wissen im Außenhandelsgeschäft unterstützte.

Nach dem Erlernen der deutschen Sprache wollte sie ihr Studium der Rechtswissenschaften in Wien anerkennen lassen. Die damit verbundenen Prüfungen bestand sie 2001 erfolgreich. Allerdings war sie in Folge aufgrund ihrer Krebserkrankung 2002 nicht mehr in der Lage, als Juristin in Österreich zu arbeiten.

Sie verstarb am 25. Oktober 2004 in Wien.

Dr. Éva Kahán (1955-2004) war Juristin. Ihre Familie musste während der Judenverfolgung in Ungarn im Zweiten Weltkrieg selbst erleben, wie „die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben“ *  . Diese Erfahrungen haben auch dazu beigetragen, dass Dr. Éva Kahán in ihrem Leben und in ihrer Arbeit der Herrschaft des Rechts außerordentliche Bedeutung beimaß und einen großen Wert auf die Verteidigung von Menschen-, Minderheits- und Freiheitsrechten legte. Sie war davon überzeugt, dass Bildung und Aufklärung am besten gewährleisten können, dass Menschen sich selbst, ihre Familien und ihre Gemeinden verteidigen und ein vollwertiges Leben genießen können. Laut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte muss Hochschulunterricht „allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen” **.

Die Dr. Éva Kahán Siftung will einen Beitrag zum Erreichen von Chancengleichheit leisten.

In Ungarn kann heute jeder, der minimale akademische Voraussetzungen erreicht und erhebliche Studiengebühren bezahlt, Jura studieren. Es gibt jedes Jahr nur eine Handvoll an Studienplätzen, die öffentlich finanziert und damit von der Studiengebühr befreit sind. Die hohe Gebühr und das Aufbringen der Lebenserhaltungskosten während den langen Ausbildungsjahren stellen für aus benachteiligten Familien stammende Jugendliche nahezu unüberwindbare Hindernisse dar. Aus diesem Grund sank die Zahl der Studenten aus finanziell schlechter gestellten sozialen Gruppen in den letzten Jahren erheblich.

Die Dr. Éva Kahán Stiftung versucht hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen, indem sie vor allem Studierenden der Roma-Minderheit während des ganzen Studiums Studiengebührenbeihilfe und ein Stipendium bietet, sofern eine entsprechende akademische Leistung erreicht wird.

Die Dr. Éva Kahán Stiftung wurde von der Familie von Dr. Éva Kahán ins Leben gerufen und wird aus deren besteuerten Privatvermögen finanziert, ohne staatliche oder andere gemeinschaftliche Hilfe. Die Stiftung will mit der Unterstützung der von Dr. Éva Kahán für wichtig gehaltenen Werte, für die sie sich ihr ganzes Leben lang eingesetzt hat, sie und ihr Leben in Erinnerung halten.

*  Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Präambel
**  Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 26